Gewalt im Namen der Ehre

Unter Gewalt im Namen der „Ehre“ versteht man gewalttätige Handlungen bis hin zum Mord, die von den Tätern mit der Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der „Familienehre“ begründet werden. Gewalt im Namen der „Ehre“ hat keine ursprünglich religiösen Hintergründe und tritt weltweit in allen Gesellschaftsschichten auf.

Was ist Gewalt im Namen der „Ehre“?

Gewalt im Namen der „Ehre“ wird vor allem in Familien ausgeübt, deren Lebensweise stark durch die männlichen Familienmitglieder bestimmt wird. Diese greifen massiv in die Lebensgestaltung der Mädchen und Frauen ein, wenn in ihren Augen die „Ehre“ der Familie gefährdet ist.

Betroffen sind Mädchen ab der Pubertät, weil sie ab diesem Zeitpunkt sexuell aktiv werden und beispielsweise durch eine voreheliche Beziehung die „Ehre“ der Familie gefährden können. Erwachsene Frauen zählen in jedem Alter zu den Betroffenen, zum Beispiel wenn sie sich scheiden lassen wollen, außerehelich schwanger werden oder in irgendeiner anderen Weise gegen die Tradition verstoßen. Aber auch wenn sie, beispielsweise durch eine Vergewaltigung, Opfer einer Straftat werden, sind sie nach Ansicht der Familien, die Gewalt im Namen der „Ehre“ ausüben,  „schuldig“. Häufig wird den Mädchen und Frauen, die vergewaltigt oder sexuell missbraucht wurden, nicht geglaubt. Man unterstellt ihnen, sie hätten den Mann durch „unehrenhaftes“ Verhalten provoziert und bestraft sie, um die „Familienehre“ wiederherzustellen.

Broschüre des Frauenministeriums: Tradition und Gewalt an Frauen
Gewalt im Namen der „Ehre“ und „Zwangsheirat“ in Österreich

Wie äußert sich Gewalt im Namen der „Ehre“?

Die überwiegend männlichen Täter, meistens die Väter oder Brüder, üben starken psychischen Druck und körperliche Gewalt auf die Mädchen und Frauen aus, wenn diese sich anderes verhalten, als es von ihnen erwartet wird. Viele der Mädchen und Frauen werden in diesem Zusammenhang zwangsverheiratet oder gezwungen, dauerhaft im Ausland zu leben. In besonders schweren Fällen können die Gewalthandlungen im sogenannten Ehrenmord gipfeln. Häufig sind mehrere Mitglieder einer Familie, auch Frauen, in die Planung und Ausführung miteinbezogen.

Was kann man bei Gewalt im Namen der „Ehre“ tun?

Anlaufstellen für Betroffene von Gewalt unterstützen auch Mädchen und Frauen, die von Gewalt im Namen der „Ehre“ betroffen sind und stellen den Kontakt zu Unterstützungseinrichtungen in der Nähe her, bei denen die Betroffenen Hilfe finden können. Aber auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte können sich an die Beratungsstellen wenden. 

Broschüre (FEMAIL/Vorarlberg): Trau dich, NEIN zu sagen!
Broschüre (Terre des Femmes/Deutschland): Hilfsleitfaden für die Arbeit mit Betroffenen
Beratungsstellen in Österreich

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